Berichte aus älteren Ausgaben von "Der Schlepperfreund"
Der Stern aus Mannheim

Unser Titelbild zeigt einen Benz OE-Schlepper. Die Benz & Cie. Mannheim, Abteilung Benzwerke Gaggenau, hatte sich Anfang der 20er Jahre schon mit dem Traktorenbau befasst und Konstruktionen wie den "Benz- Landtraktor", den "Benz-Sendling- Schlepper", einen Dreiradschlepper und Motorpflüge vorgestellt. Ab 1926 wurde als Daimler- Benz AG firmiert. In Mannheim wurde ab 1928 nur noch der Dieselschlepper "OE" gefertigt.

Es handelte sich um einen in rahmenloser Blockbauart ausgeführten Vierradschlepper mit großen Hinterrädern und kleineren Vorderrädern. Der liegende Einzylinder-Dieselmotor (mit Vorkammer) hatte zunächst 3,4 l Hubraum, ab 1929 4,3 l und leistete 24, später 26 PS bei 800 U/min. Bohrung und Hub beliefen sich auf 135 mm (später 150) x 240 mm. Zunächst fand eine Verdampfungskühlung Verwendung (Kühlerinhalt 110 Liter Wasser), die Modelle in den folgenden Jahren konnten wahlweise mit einer Thermosyphonkühlung ausgestattet werden. Die nasse Zylinderlaufbüchse war leicht auszuwechseln.

Als Treibstoff kamen Gasöl (Diesel), Rohöl, Paraffinöl, Braunkohlenteeröl und Petroleum in Betracht. Motor und Getriebe wiesen eine gemeinsame Druckumlauf- schmierung auf. Das Getriebe war mit drei Vorwärtsgängen und einem Rückwärtsgang ausgerüstet, die Höchstgeschwindigkeit mit Straßenbereifung lag dann bei ca. 16 km/h. Zum Starten wurde die Kompression (vermutlich am Auslassventil) herabgesetzt und der Motor mit der Handkurbel angedreht. Vorher musste selbstverständlich eine Zündpatrone eingesetzt werden.

 

Der OE- Schlepper wies eine gefederte Vorderachse sowie eine Riemenscheibe auf. Zapfwelle und Seilwinde konnten zusätzlich erworben werden. Das je nach Ausstattung 2,6 bis 3,2 t schwere Fahrzeug war, dem Mechanisierungsgrad der Landwirtschaft entsprechend, für ausgesprochene landwirtschaftliche Großbetriebe oder als Verkehrsschlepper für innerstädtische Transporte oder kürzeren Überlandverkehr vorgesehen. Die damaligen Werbeaussagen und die möglichen Sonderausstattungen (nämlich eher für den Straßentransport) unterstreichen dies deutlich.

Interessanterweise wird dargelegt, dass der Dieselmotor dem damals weit verbreiteten Vergasermotor in punkto Betriebssicherheit weit überlegen sei - keine explosiven Treibstoffe, keine Zündfunken, keine komplizierte Zündanlage.

Außerdem sei er im Verbrauch von Betriebs- und Schmierstoffen billiger. Im Vergleich zu Benzin- bzw. Benzolfahrzeugen wurden Treibstoffeinsparungen zwischen 30 und 75% angegeben. So ist es denn auch nicht verwunderlich, dass zeitgenössische Aufnahmen den OE meist mit Vollgummi-Straßenbereifung zeigen.

Dazu kam dann meist noch eine aufwendige Beleuchtungseinrichtung, zum Teil auch ein Wetterverdeck. Auch aus heutiger Sicht kann das "Styling" durchaus noch positiv beurteilt werden. Dennoch erwies sich der OE nicht als der Verkaufsschlager - vermutlich war ein nicht gerade geringer Preis mit ein Grund dafür. Nachdem die Verkaufszahlen immer weiter zurückgingen, wurde die Produktion Mitte der 30er Jahre eingestellt. Dasselbe Schicksal erlitt ungefähr zur selben Zeit auch das Motorpferd der Motorenwerke Mannheim.


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