 | Es gleicht eigentlich schon fast einem Skandal, wenn man wie ich seit 1980 in der Bulldog-Szene heimisch ist, und es in dieser Zeit nie geschafft hat ein Treffen der Bulldog- und Schlepperfreunde Württemberg zu besuchen. Es wurde also höchste Zeit. Und zum diesjährigen 14. Treffen war es endlich soweit. So viel vorab - die Reise nach Bietigheim-Bissingen hat sich mehr als gelohnt. Schon Wochen vorher hatte ich, als ich meinen Besuch bei Alfred Vogel und Walter Enz telefonisch ankündigte, gemerkt, dass sich die beiden ehrlich freuten und ich bedanke mich hier für den herzlichen Empfang, der mir zuteil wurde! Ein unerwarteter Nebeneffekt: Schon nach der ersten Begrüßung wurde ich zum offiziellen Berichterstatter ernannt und gebeten, meine Eindrücke von diesem Treffen im "Schlepperfreund" zu schildern. Eine Aufgabe, die ich sehr gerne wahrgenommen habe. An Veranstaltungen überwiegend in den nördlicheren Teilen der Republik gewöhnt, kam doch eine leichte Unsicherheit auf, als am Samstagmorgen noch nicht viel mehr als ca. 50, 60 Schlepper auf dem Festplatz standen. Ein Vorteil für den Fotografen. Denn zu diesem Zeitpunkt war noch jede Menge Platz um die Maschinen herum, die nicht durch einen mächtigen Männerbauch oder neugierge Fans verdeckt wurden. Schnell wurde mir klar, dass ich hier mit Spezialitäten rechnen konnte - wenn dann auch mit anderen, als ich zunächst erwartet hatte. Meine ersten Erkundungen galten einem der ganz seltenen Eicher-Fahrzeuge mit vier gleich großen Rädern, ein ED 26 Allrad, von dem 1957/58 ganze 96 Stück gebaut wurden. Ein schönes Stück, mit Heckseilwinde und offenkundig noch ab und zu im Einsatz. Und ein perfekt restaurierter ED 16/I, also der legendäre Ur-Sechzehner, aus dem gleichen Stall. Bereits fertig zur Mostherstellung aufgestellt war ein skurriles Fahrzeug mit relativ großem Deutz-Verdampfer-Motor, sehr nach Eigenbau aussehend. Der Riemen zum Betrieb der alten Obstmühle war schon aufgelegt, was leckere Erfrischung im weiteren Tagesverlauf versprach. Bei näherem Hinsehen entpuppte sich aber der kleine Schlepper nicht als Eigenbau, sondern als ein Sülchgau, den ersten, den ich in natura zu sehen kriege. Gleich daneben drehte Familie Kienle auf einer uralten Vorrichtung Strohbänder. Dicht beim Eingang beeindruckte mich ein superrestaurierter MAN AS 325 aus der ersten Nachkriegsproduktion dieses bedeutenden Herstellers: Baujahr 1949, Mähbalken, aber ohne angetriebene Vorderachse - also ein AS 325 H. Wer die Rolle der MAN als Allrad-Pionier kennt, weiß, dass diese Hinterradversion eine rare Ausnahme darstellt. Dieser Schleppertyp war zu seiner Zeit einer der Größeren in dieser Region. |  | Bereits vor Ort waren zwei Steamer: Die Zettelmeyer-Walze von "Altmeister" Richard Planitz aus Kirchheim/Teck und die Fowler Road Locomotive von Beatrix Lauffer. Von beiden später mehr. Erst einmal ließ ich mich von der unvergleichlichen Duftmischung aus Wasserdampf, Kohle und heißem Öl und von den gelegentlich ertönenden schrillen Pfiffen tagträumend nach Dorset entführen! Andere Frühaufsteher hatten eine Reihe amerikanischer Exoten dabei, die ich hier am allerwenigsten erwartet hätte. Die Aufstellung der Fahrzeuge erfolgt bei den "Württembergern" nach einem anderen Prinzip, als ich es gemeinhin kenne: Diese Aufstellung nach Marken hat aber einiges für sich. So lassen sich Entwicklungslinien ganz gut deutlich machen. Beispielsweise vom Allgaier A 111 - kurz und lang - , über die Zweizylinder-Porsche bis hin zum Super und zum gewaltigen Master. Oder vom 25 PS-Unimog 401 mit Ochsenkopf bis zum 406. Vom Kramer "Allesschaffer" K 12 und K 18 über den hübschen Haubentyp K 12 V und die typischen Rundnasen der 50er Jahre bis zum Unimog-Konkurrenten, der schweren Allrad-Zugmaschine Universal 800. Schwerpunkt der Veranstaltung, das wurde mir mehr und mehr klar, waren die Maschinen, die hier in der Region, also im Gebiet der Postleitzahl 7er, das ländliche Arbeitsleben bestimmt haben. Hier wird der oft beschworene Gedanke, landtechnisches Kulturgut der letzten rund 100 Jahre zu erhalten, wirklich eingelöst. Die zumeist kleineren Bauern fuhren hier ja nicht mit einem Zehn-Liter-Glühkopf, einem großen Hanomag oder gar einem schweren Deutz auf den Acker oder in den Weinberg, sondern mit dem 16er Eicher, mit dem kleinen Kramer oder mit einem Stihl, wie er in nächster Nähe ja gebaut wurde. So fiel dann auch auf, dass nur ein einziger R 40 und ein etwas entstellter Deutz F3M 3/417 die Hannoveraner bzw. Kölner Klassiker repräsentierten. Modelle der Baujahre um 1960 und später, wie die "Granit"-, "Brillant"- und "Robust"-Typen oder die D-Reihe von Deutz waren schon eher vertreten. Aber nicht einmal der legendäre 11er Deutz tauchte auf - dafür aber ein recht seltener Hanomag "Greif", noch dazu in der roten Export-Lackierung, aus der Zeit um 1961. ... Michael Bach Den vollständigen Artikel finden Sie in "Der Schlepperfreund" Ausgabe Nr. 58, den Sie hier bestellen können.
|  |